Einführung

Diese Übersicht über die Geschichte der Computerspiele kann aufgrund der Kürze nur einen Bruchteil dessen, was an Computerspielen erschienen ist, abdecken. Statt der Nennung der jeweils ersten Spiele mit bestimmten Features und neuen Ideen haben sich die Autoren darauf konzentriert, die Spiele zu nennen, durch die bestimmte Features und Ideen bekannt wurden. Wie jede geschichtliche Darstellung haben auch hier die Autoren persönliche Schwerpunkte gesetzt, um die Entwicklung in der entsprechenden Prägnanz darzustellen. Weiterhin sollen zur Wahrung der Übersichtlichkeit in diesem Beitrag politische und soziale Hintergründe außer Acht gelassen werden.

Die "Vorzeit" (1958 - 1972)

Tennis for Two - Erstes Spiel auf Analogcomputer
 
Tennis for Two - Erstes Spiel auf Analogcomputer

Als erstes „Computerspiel“ wird Tennis for Two angesehen. Es war kein Computerspiel im eigentlichen Sinne, da es auf einem Analogcomputer mit Oszillograph als Display lief. Die Anlage war etwa 5m breit und stand am Brookhaven National Laboratory, wo sie 1958 von William Higinbotham entwickelt wurde. Dieser war eigentlich der Meinung, mit Spielen vertrödele man seine Zeit. Dennoch versuchte er damit den Besuchern am Tag der offenen Tür die Technik näher zu bringen.

1961 entstand dann am MIT das erste wirkliche Computerspiel auf einem Digitalcomputer – Spacewar!. Das Spiel wurde für den PDP-1, den ersten Minicomputer, entwickelt und sollte dessen Leistungsfähigkeit zeigen. Die Spieler steuern hier die beiden Raumschiffe Wedge und Needle, die sich in der Umlaufbahn eines Planeten befinden. Das Ziel ist es, das gegnerische Raumschiff mit Raketen abzuschießen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass der Planet sowohl die Raketen als auch die Raumschiffe anzieht und dies beim Abschuss berechnet werden muss. Das Spiel hatte damals schon diverse Konfigurationsmöglichkeiten, so konnte zum Beispiel die Gravitation des Planeten und die Anzahl der Raketen eingestellt werden.

Mit Periscope erscheint 1966 SEGAs erster Arcade-Hit. Der Automat hatte ein ungewöhnliches Design, da er über ein Sehrohr verfügte, denn es handelte sich bei Periscope um ein U-Boot-Spiel. SEGA wurde 1940 als Standard Games gegründet und erst 1952 in Service Games umbenannt. Das Unternehmen importierte bis zu diesem Zeitpunkt Münzautomaten nach Japan, aber Periscope wurde nach Europa und Amerika exportiert.

Der Ingenieur Ralph Baer entwickelt 1968 die Brown Box, den Prototypen der Magnavox Odyssey. Die Odyssey gilt als erste Heimkonsole. Sie basierte noch auf analogen Schaltkreisen mit Transistoren und bestach nicht durch hohe Grafikqualität. Um die Spiele abwechslungsreicher zu gestalten und Punkte zu verwalten, waren Hilfsmittel wie Schablonen und Punktezähler nötig. Dennoch verkauften sich unterschiedlichen Quellen zu Folge zwischen 100.000 und 360.000 Stück.

Das Arkade-Zeitalter (1972 - 1982)

Pong - Ataris erstes Spiel
Pong - Ataris erstes Spiel
Space Invaders - Taitos Hit
Space Invaders - Taitos Hit
Pacman, der Arcade-Klassiker
Pacman, der Arcade-Klassiker
Mystery House - Grafikunterstütztes Textadventure
 
Mystery House - Grafikunterstütztes Textadventure

Großer Vorreiter und Wegbereiter des gesamten Arkade-Zeitalters ist die Firma Atari, die 1972 von Nolan Bushnell und Ted Dabney gegründet wurde. Bereits im Gründungsjahr bringt Atari den ersten Spielautomaten mit dem Spiel Pong auf den Markt. Allerdings wurde dieses Spielprinzip schon im Jahr 1968 von Ralph Baer patentiert, was zu einem Rechtsstreit zwischen dem Rechteinhaber Magnavox und Atari führt. Am Ende wird Atari verpflichtet 700.000 USD zu zahlen, was in Anbetracht des großen Erfolgs des Pong-Automaten jedoch relativ wenig ist. 1975 verkauft Atari noch einmal 150.000 Heimkonsolen des Spiels. Zur damaligen Zeit lebt Atari hauptsächlich von der Kreativität der Mitarbeiter, welche hauptsächlich auf einen lockeren Führungsstil und das angenehme Betriebsklima zurückgeführt wird. Mit dem Verkauf von Atari an Warner im Jahr 1976 hält allerdings ein härterer Führungsstil Einzug bei Atari, was nacheinander alle kreativen Köpfe die Firma verlassen lässt.

1975 erscheint mit dem Spiel Gun Fight das erste Spiel mit Mikroprozessor. Gleichzeitig wird es auch als erstes Spiel aus Japan in die USA exportiert. Im Gegensatz zu der vorher verwendeten TTL-Technik, wird in diesem Automaten erstmals die so genannte 8080 Plattform verwendet, die auch später z.B. für Space Invaders Anwendung findet.

Die erste, aus heutiger Sicht "lustig" anmutende Diskussion über Gewalt in Computerspielen löst im Jahr 1976 das Spiel Death Race aus. In diesem Spiel ist es das Ziel des Spielers, mit einem von ihm gesteuerten Fahrzeug Fußgänger zu überfahren. Das Spiel wurde indiziert und aus dem Verkehr gezogen. Sicher ist die dargestellte Gewalt und die Realitätstreue in keinster Weise mit der heutiger Spiele zu vergleichen, jedoch werden hier schon Zeichen gesetzt, die bis in die Gegenwart Auswirkungen haben.

1976 erscheint mit Night Driver die erste 3D Rennsimulation von der Firma Atari, die mit einfachen Linien die Grafik darstellt. Gleichzeitig ist das Spiel das erste mit Real-Time-First-Person-Grafik. Im gleichen Jahr erscheint mit der Konsole Channel F die erste Konsole mit austauschbaren Modulen. Der Erfolg bleibt allerdings aufgrund der bevorstehenden Veröffentlichung der neuen Konsole von Atari aus.

Adventure oder auch Colossal Cave erscheint 1976 als erstes Spiel des Adventure-Genres. Das vollständig textbasierte Spiel, das von Will Crowther entwickelt wurde, gehört noch heute zum Auslieferungsumfang von BSD-Unix-Distributionen.

Im Jahr 1977 startet die Konsole Atari 2600 oder auch Atari VCS auf dem Konsolenmarkt. Der erhoffte Erfolg stellte sich allerdings erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt ein. Um den Erfolg der Konsole voranzutreiben, portiert Atari Automatenspiele auf die Konsole, was dann 1979, als die Konsole technisch längst veraltet ist, für den Durchbruch sorgt. Maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt ist das Spiel Space Invaders, welches 1978 als Automatenspiel von Taito veröffentlicht wird. Der Erfolg der Automatenversion führt so weit, dass kurzzeitig in Japan die 100-Yen-Münzen knapp werden. Zu dieser Zeit war es nicht üblich, das die Erfinder bzw. Programmierer der Spiele genannt wurden. Warren Robinett "erfindet" 1979 das so genannte Easter Egg. Er versteckt in seinem Grafikadventure "Adventure" einen Raum, in dem der Schriftzug "Created by Warren Robinett" zu lesen ist. Ziel dieser Easter Eggs ist in der Anfangszeit die Anerkennung der Autoren. Später wurden auch andere kleine Gags oder sogar ganze Spiele in Spielen bzw. Software versteckt.

Erstmals werden 1980 mit Lunar Lander und Asteroids Spiele veröffentlicht, die dem Copyright unterliegen. Asteroids ist mit 70.000 verkauften Spielen der größte Erfolg von Atari und eines der meist verkauften Arkadespielen aller Zeiten. Gleichzeitig mit der Entwicklung des Copyright entwickelt sich ein neues Konzept, welches sich bis heute in der gesamten Computerspielbranche durchgesetzt hat. Ehemalige Atari-Programmierer gründen die Firma Activision, den ersten und bis heute einen der größten Third-Party-Publisher. Bis zu diesem Zeitpunkt war es üblich, dass nur die Hersteller der Konsolen Spiele für ihre Konsolen entwickelten und auf den Markt brachten.

Ken Williams entwickelt ebenfalls 1980 Mystery House, das erste Textadventure, dessen Spielverlauf graphisch unterstützt wurde. Eine Interaktion mit der angezeigten Grafik war jedoch noch nicht möglich. Zusammen mit seiner Frau Roberta gründet er die Firma Online Systems, die 1982 in Sierra Online umbenannt wird. Doch den mit Abstand größten Einfluss auf die Computerspielbranche nimmt in diesem Jahr eine Spielfigur von Namco. Pacman ist die erste Spielfigur, die einen unglaublichen Merchandise-Boom nach sich zieht. Den kleinen gelben Mann fand man innerhalb kürzester Zeit auf Lampen, Tassen, Mützen, Shirts usw. wieder. Bis heute erfreut sich Pacman größter Beliebtheit, die so groß ist, dass im Jahr 2007 sogar noch Pacman-Weltmeisterschaften abgehalten wurden.

1982 wird mit Donkey Kong sozusagen der Vater des Jump'n'Run geboren. Es gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Automatenspiele aller Zeiten und ist Vorreiter einer ganzen Spielserie für Automaten und Konsolen. Der Erfinder, Shigeru Miyamoto, ist bis heute für fast alle erfolgreichen Spielserien der Firma Nintendo verantwortlich. Aus seiner Feder stammen unter anderem auch die Serien Zelda und Super Mario. Letztgenannter ist als "Jumpman" schon der Titelheld des Spiels Donkey Kong.

Mit Ultima erscheint 1981 der erste Teil einer Spielreihe, die als Begründer der Rollenspiele gilt. Die Reihe ist mit über 25 Titeln die längste Spielreihe aller Zeiten. Ultima verstand es stets, neue Maßstäbe zu setzen und neue Spielideen umzusetzen. So wurde z.B. Ultima Underworld 1992 zum ersten 3D Rollenspiel und Ultima Online 1997 zu einem der ersten MMORPGs.

Erste Heimcomputer und Konsolen (1982 - 1997)

Der C64 mit Zubehör
 
Der C64 mit Zubehör
Zelda - eine der erfolgreichsten Adventure-Reihen
 
Zelda - eine der erfolgreichsten Adventure-Reihen
Monkey Island von LucasArts
 
Monkey Island von LucasArts
Prince of Persia - erstes "Motion Capturing"
 
Prince of Persia - erstes "Motion Capturing"
Das erste Mac-Venture
 
Das erste Mac-Venture

Der Erfolg der Heimcomputer begann 1982 mit einem „Computer für die Massen“ - dem C64. Er gilt mit 17 Mio. verkauften Exemplaren als der meist verkaufte Heimcomputer aller Zeiten. Man nutzte ihn sowohl als Spiele- als auch als Programmier-Computer. Revolutionär war sein Sound, welcher durch einen dreistimmig polyphonen Soundchip realisiert wurde. Sein Aussehen verlieh ihm allerdings den Beinamen Brotkasten (breadbox). Der C64 wurde durch ein direktes Marketing verkauft, das ihn gezielt von Konsolen abgrenzte. So war der Slogan „Why buy your child a video game and distract them from school when you can buy them a home computer that will prepare them for college?“ kennzeichnend dafür, dass es sich nicht um ein reines Gerät zum Spielen handelte.

Flight war der erste Flugsimulator, der 1982 erschien. Er wurde von Bruce Artwick für den AppleII entwickelt. 1988 kaufte Microsoft alle Rechte am Simulator und setzt seitdem mit dem Microsoft Flight Simulator stets neue Maßstäbe in Sachen Hardwareanforderung und Detailtreue. Die „Microsoft Flight Simulator“-Reihe zählt zu den erfolgreichsten Computerspiel-Reihen aller Zeiten und hat bis heute eine große Fangemeinde, die auch selbst Addons entwickelt.

Im Jahr 1983 bricht der Konsolenmarkt zusammen. Dies hat mehrere Gründe, zum einen gibt es eine Flut an schlechten Spielen für Konsolen, zum anderen hat man mit einem guten Marketing im Heimcomputer-Bereich zu kämpfen. In dieser Zeit stellen viele namhafte Hersteller, u.a. Coleco und Magnavox, die Produktion von Konsolen ein und auch Atari erholt sich nie vollständig von diesem Crash und stellt 1993 nach dem Misserfolg mit der Jaguar-Konsole ebenfalls die Produktion ein.

1985 schafft es Nintendo, den niedergeschlagenen Konsolenmarkt wieder zu beleben. Die erste Konsole, das Nintendo Entertainment System (NES) oder auch Famicom, wird sofort ein voller Erfolg. Die Konsole setzte Maßstäbe in Game- und Controllerdesign. Viele berühmte Reihen wie „Metal Gear“, „Donkey Kong“, „Final Fantasy“ und natürlich Super Mario Bros. werden zu Welthits und brechen einen Verkaufsrekord nach dem anderen. Die Konsole selbst beherrscht den Markt ebenfalls noch für Jahre. Super Mario trägt maßgeblich zum Erfolg des NES bei. Die Reihe hat starken Einfluss auf das Jump'n'Run-Genre und ist mit 295 Mio. Einheiten die meist verkaufte aller Zeiten. „Super Mario 3“ wird 1990 das meist verkaufte Spiel, das nicht im Bundle verkauft wird. Deja Vu ist das erste Point&Click-Adventure, das erstmals ohne Tastatur gespielt werden kann. Es ist auch das erste „MacVenture“ und die Basis für spätere Adventures wie „Maniac Masion“ und „Indiana Jones“.

Ebenfalls 1985 erscheint Tetris, das erfolgreichste Denkspiel aller Zeiten. Das Spiel wurde von Alexei Paschitnow und Wadim Gerasimow entwickelt und basiert auf dem russischen Spiel Pentominoes. Es entstand ein riesiger Kampf um die Rechte für Tetris zwischen Atari und Nintendo, aus dem Nintendo als Gewinner hervor ging. Dies ist für Atari ein Fiasko, denn man musste Millionen im Voraus produzierte Spiele zerstören.

Der erste Teil der weltweit erfolgreichsten Action-Adventure-Reihe entsteht 1987 mit The Legend of Zelda. Insgesamt werden von der gesamten Reihe ca. 52 Mio. Einheiten verkauft. Der erfolgreichste Teil der Serie, „Ocarina of Time“, verkauft sich alleine 7,6 Mio. mal. Das Spiel zeichnet sich durch eine große Handlungsfreiheit aus und hat sogar eine eigene interne Batterie für Savegames. Im Jahr 1987 erscheint ebenfalls Maniac Mansion von Lucas Arts. Das neue Bedienkonzept verhilft dem Genre zum Durchbruch. Das Spiel bringt neue Ideen in das Genre durch Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten und unterschiedliche Enden. Für dieses Spiel wird erstmals die SCUMM-Engine (Script Creation Utility for Maniac Mansion) benutzt, die auch für die nächsten Adventures „Monkey Island“, eines der erfolgreichsten Adventures und „Indiana Jones“ verwendet wird. Hier sei noch ein Spiel erwähnt, das eigentlich nichts neues in Sachen Spielbarkeit oder ähnlichem bietet, aber dennoch eine nette Idee einführt. Leisure Suit Larry ist das erste Spiel, das einen Boss-Key hat. Dieser soll das Spiel verstecken, wobei dies zu Anfang noch eine Falle ist, denn man kommt nur durch einen Neustart oder das Laden eines Savegames wieder weiter. Larry ist einer der ersten „Anti“-Helden der Computerspielgeschichte, er belustigt die Spielergemeinde mit seinem Pech und seinen Misserfolgen.

1989 erscheint die erfolgreichste „Konsole“ aller Zeiten, der Gameboy. Er verkauft sich weltweit ca. 120 Mio. mal. Das erfolgreichste Spiel für den Gameboy ist „Tetris“, da es zu Beginn mit jedem Gameboy mitgeliefert wurde. Der Gameboy und seine Nachfolger (Gameboy COLOR, Gameboy Advance (SP), Nintendo DS) sind über Jahre erfolgreich. Im gleichen Jahr erschient Prince of Persia. Für dieses Spiel wird zum ersten mal „Motion Capturing“ verwendet. Der Entwickler Jordan Mechner nutzt Rotoskopie für die Animation der Charaktere. Er studierte Videoaufnahmen von seinem Bruder und „pauste“ dann Einzelbilder für die Animation ab.

Anfang der 90er Jahre kämpfen SEGA und Nintendo um den Konsolenmarkt. Stellvertretend hierfür stehen die beiden Maskottchen Mario und Sonic, der SEGAs altes Maskottchen „Alex Kidd“ ersetzt. Sonic soll die Geschwindigkeit der neuen Konsole unterstreichen, denn SEGAs MegaDrive war mit 16 Bit dem NES mit 8 Bit damals deutlich überlegen. Dieser Wettbewerb bestimmt den Markt bis zu SEGAs Abtritt 1999. 1991 erscheint auch Civilization, welches als Begründer der Globalstrategie-Spiele gilt. Es zeichnet sich durch eine äußerst realistische Abbildung der Geschehnisse sowie Steuerungsmöglichkeiten auf politischer Ebene aus. Außerdem hat es durch die Vermittlung von Wissen zur Weltgeschichte einen gewissen Bildungsaspekt.

Der Vorreiter für das „Survival-Horror“-Genre erscheint 1992. Alone in the Dark wird als erstes Adventure teilweise in 3D modelliert. Sein Grundprinzip wird heute noch in Spielen des Genres benutzt. Außerdem besteht die Wahlmöglichkeit zwischen einem männlichen und einem weiblichen Charakter. Sensible Soccer, welches ebenfalls 1992 erscheint, setzt lange Zeit Maßstäbe in Sachen Spielbarkeit. Das Spiel hat bis heute eine große Fangemeinde und sein Nachfolger „Sensible World of Soccer“ überzeugte durch einen unübertroffenen Managermodus, welcher sämtliche Profiligen der Welt beinhaltet.

Obwohl First-Person-Shooter schon durch „Wolfenstein 3D“ bekannt wurden, setzt Doom 1993 neue Maßstäbe im Genre, da es starke Veränderungen in Grafik und Gameplay mitbringt. Doom legt viele Grundlagen für moderne First-Person-Shooter, z.B. durch unterschiedliche Munition und einen Netzwerk Mehrspielermodus. In Deutschland erlangt das Spiel große Berühmtheit durch seine Indizierung.

Die Playstation öffnet Sony die Tür zum Konsolenmarkt. Die Konsole, die 1994 erschien, sollte eigentlich ein Addon für das SNES werden, aber Nintendo stellt die Zusammenarbeit ein. Sony nutzt das erlangte Wissen und stellt seine erste eigene Konsole her. Die Playstation ist mit 102 Mio. verkauften Einheiten die erfolgreichste Konsole der 90er, die PS2 übertraf diesen Erfolg mit 120 Mio. Einheiten jedoch nochmal. Der große Erfolg liegt wohl darin begründet, dass Sony mit seinen Spielen, die mehrheitlich auf Erwachsene ausgelegt sind, die mittlerweile erwachsen gewordenen Arcade-Spieler ansprach. Im selben Jahr erscheint Descent, das als erstes Spiel ein komplettes in 3D gestaltetes Labyrinth hat. Außerdem bietet es freie Bewegung um drei Achsen in sechs Richtungen.

1995 erscheint Command and Conquer (C&C), das für die Verbreitung des Echtzeitstrategiespiels sorgt. Vorreiter waren „Herzog II“ und „Dune II“, die aber nicht an den Bekanntheitsgrad von C&C heran reichen. C&C überzeugte durch eine intuitive Steuerung und eine sehr gute Multiplayerfunktion.

Die Neuzeit (1997 - heute)

First-Person-Shooter setzen Maßstäbe

Red Faction - Zerstörung mit GeoMod-Engine
 
Red Faction - Zerstörung mit GeoMod-Engine
Diablo
 
Diablo

Was in diesem Beitrag als Neuzeit bezeichnet wird, ist aufgrund technischer Entwicklungen und dem Fokus auf sich stets verbessernde Grafik und KI stark geprägt von den First-Person-Shootern. Großteile der Vorreiter in Sachen Grafik entstammen diesem Genre.

Das Spiel Golden Eye 007 (1997) für Nintendo 64 gilt als einer der meist verkauften First-Person-Shooter überhaupt. Es bot für damalige Zeit extreme Realitätsnähe. Aus Angst vor der Indizierung erschien das Spiel niemals auf dem deutschen Markt. Ein vollkommen anderes Genre, das des Hack'n'Slay, begründet im selben Jahr das Spiel Diablo. Das Spiel erfreute sich großer Beliebtheit aufgrund des kostenlosen Online-Multiplayer-Modus und der zufällig generierten Level, die einen hohen Wiederspielwert garantierten.

1998 findet sich für den einstigen Merchandise-Boom von Pacman ein würdiger Nachfolger, ein Meisterwerk in Sachen Merchandising. Mit Pokémon erscheint eine der erfolgreichsten Spielserien aller Zeiten und tritt eine wahre Welle los. Zeitgleich erscheinen überall auf der Welt Trading-Cards, Plüschtiere, eine Zeichentrickserie und alles, was dazugehört. Mit über 100 Mio. verkauften Spielen ist allein die Spielreihe schon aller Ehren wert, jedoch ist dies in Anbetracht dessen, was mit Merchandising verdient wurde, nur die Spitze des Eisbergs. Es führt so weit, dass in Japan sogar ein Pokémon-Vergnügungspark eröffnet wird.

Sega bringt 1999 mit der Dreamcast die letzte eigene Konsole auf den Markt und betätigt sich fortan nur noch als Spielproduzent. Die Konsole setzt mit Spielen wie Soul Calibur und Phantasy Star Online neue Maßstäbe. Jedoch kann sie sich aufgrund von Werbefehlern und der von Sony angekündigten Playstation 2, die mit deutlich besserer Technik aufwartet, nicht auf dem Markt durchsetzen.

Die Firma id Software bringt im selben Jahr den First-Person-Shooter Quake III auf den Markt, der aufgrund seiner Maßstäbe in Sachen Grafikqualität noch über Jahre für Benchmarks verwendet wird. Die Grafikengine bringt dem Produzenten mehr Geld an Lizenzgebühren ein als der eigentliche Spielverkauf. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat Quake III keinen Einzelspielermodus mehr und ist somit voll auf Netzwerk und Onlinespielen ausgelegt.

Hitman (2000) bringt mit dem so genannten Stealth-Shooter eine neue Variation des Shooters ins Spiel. Erstmals ist es das Ziel eines Shooters, nicht zu schießen. Die große Handlungsfreiheit in der Erfüllung des Auftrags sowie die äußerst realistische Darstellung durch die Ragdoll-Engine setzen neue Maßstäbe, führen aber in Deutschland auch zur Indizierung des ersten Teils der Reihe.

Doch das meist verkaufte PC-Spiel aller Zeiten kommt aus einem ganz anderen Genre. Das Spiel Die Sims bietet erstmals ein Spielprinzip ohne eigentliche Zielvorgabe. Dem Spieler ist volle Handlungsfreiheit überlassen, indem er einfach das Leben seiner Charaktere frei bestimmt. Insgesamt erscheinen für den ersten Teil 7 Addons. Beeindruckend ist auch, dass geschätzte 20% der Spieler weiblich sind, wohingegen die Frauenquote allgemein bei Computerspielen um 5% geschätzt wird.

Mit Red Faction wird 2001 erstmals eine Grafikengine verwendet, mit der es möglich und auch für den Spielverlauf wichtig ist, die Umgebung dauerhaft zu zerstören (GeoMod Egnine). Es verwendet auch als einer der ersten Shooter Fahrzeuge. Im zweiten Teil des Spiels werden die Vorteile der Engine jedoch von Entwicklerseite sehr weit eingeschränkt, sodass dieser Reiz wieder verloren geht. Microsoft schafft es im selben Jahr mit Halo, alle Aspekte vorbildlichen Gameplays in einem Spiel zu vereinen. Das Spiel verkauft sich weltweit 15 Mio. mal und gilt als meistgespieltes Onlinespiel auf XBox.

Erst im Jahr 2004 ist es wieder ein First-Person-Shooter, der neue Maßstäbe setzt. Far Cry von Crytek liefert die zu der Zeit realistischste Physik-Engine gepaart mit einer extrem hohen Gegner-KI. Die hohe Grafikqualität wird unter anderem durch das so genannte Per-pixel-lighting (Berechnung aller Schatten- und Lichteffekte für alle Objekte in Echtzeit) erreicht, welches auch in Doom 3 Anwendung findet.

Grand Theft Auto: San Andreas, welches hier als herausragender Teil der Reihe genannt werden soll, zeigt mit hoher Sichtweite, Simulation von Wetter und, gemessen an der veralteten Technik, sehr guter Grafik, was noch aus der Playstation 2 herauszuholen ist. Das Spiel verkauft sich 10 Millionen mal. Einen Großteil seiner Berühmtheit verdankt das Spiel allerdings dem so genannten Hot-Coffee-Mod, welcher im Spiel per Cheat freigeschaltet werden konnte. Es handelt sich hierbei um ein interaktives Sex-Minispiel, welches gerade in den als prüde bekannten USA für Aufsehen sorgte. Auf dieser Grundlage wurde die Altersfreigabe in den USA verändert, in Australien wurde das Spiel sogar verboten.

Interactive Storytelling

Auf speziellen Wunsch soll hier noch kurz auf das Thema Interactive Storytelling eingegangen werden. Als Vorreiter dieses Gebiets wird das Spiel Dragon's Lair aus dem Jahr 1983 angesehen, hier setzt jedoch Fahrenheit (2005) ganz neue Maßstäbe. Durch den leider linearen Handlungsablauf, der auch durch Entscheidungen des Spielers kaum beeinflusst werden kann, gilt das Spiel eher als interaktiver Spielfilm mit geringem Wiederspielwert. Jedoch werden in diesem Bereich große Erwartungen in die 2008 erscheinenden Spiele Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots und Heavy Rain gesetzt.

MMORPGs

Hier soll ein Spielgenre, das seinen Höhepunkt von 2005 bis heute feiert, kurz beleuchtet werden. Die MMORPGs (Massively Multiplayer Online Role Playing Games) entstanden aus den so genannten Multi-User-Dungeons, die sich in den 90er Jahren großer Beliebtheit erfreuten. Als Vorbild des Genres gilt Ultima Online (1997), der weltweite Durchbruch wurde 1999 mit Everquest erzielt. Marktführer ist World of Warcraft von Blizzard Entertainment mit derzeit mehr als 10 Mio. aktiven Accounts.

Game Kanon - Die besten Spiele aller Zeiten

Im März 2007 wurde diese Liste als Liste der besten und wegweisendsten Spiele aller Zeiten von Fachjournalisten aufgestellt.

  1. Civilisation-Reihe
  2. Doom
  3. Sensible World of Soccer
  4. Sim City
  5. Spacewar!
  6. Star Raiders
  7. Super Mario Bros 3
  8. Tetris
  9. Warcraft
  10. Zork

Gegenpart - Schlechteste Spiele aller Zeiten

Wie auch die Einschätzung der besten Spiele aller Zeiten unterliegt die Liste der schlechtesten Spiele aller Zeiten starken persönlichen Wertungen. Daher soll hier keine Rangliste geführt werden, sondern lediglich ein paar Beispiele genannt werden. Das in diesem Zusammenhang am häufigsten genannte Spiel ist wohl ET (1982), welches durch unterirdisch schlechtes Gameplay den Zorn auf sich zog. Das Spiel wird als die größte Pleite von Atari bezeichnet. Gerüchte besagen, dass im Herbst des Folgejahres alle nicht verkauften Exemplare der 5 Millionen produzierten Cartridges in der Wüste New Mexico's vergraben wurden. 4 weitere Beispiele mit entsprechender Begründung sollen hier noch angeführt werden:

  • Custer's Revenge - schlechteste Spielidee
  • Gothic 3 - mangelnde Kompatibilität, Ruckeln etc.
  • 3 Engel für Charlie - keine Story, reines Vorzeigen nackter Haut
  • Bubsy 3D - rückständige Grafik (im Vergleich zu z.B. Super Mario 64), schlechte Steuerung
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